Zivilengagement

Hintergrund

Das Vertrauen in Regierungen ist wichtig für den sozialen Zusammenhalt und das gesellschaftliche Wohlbefinden. Heute mehr denn je fordern die Bürger Transparenz von ihren Regierungen. Nur wenn sie wissen, von wem, warum und wie Entscheidungen getroffen werden, können sie staatliche Instanzen in die Pflicht nehmen und sich auf öffentliche Institutionen verlassen. Außerdem ist nur so garantiert, dass für alle Unternehmen dieselben Spielregeln gelten. Transparenz ist nicht nur unerlässlich, damit der öffentliche Sektor integer bleibt. Sie trägt auch zu einer besseren Regierungsführung bei und senkt das Risiko von Betrug, Korruption und Missmanagement.

Wahlbeteiligung

Auch an der Wahlbeteiligung lässt sich ablesen, inwieweit die Bürger dem Staat vertrauen und wie sehr sie am politischen Geschehen mitwirken wollen. Die Wahlbeteiligung ist definiert als der Anteil der Wahlberechtigten (beziehungsweise der Personen, die im Wählerverzeichnis eingetragen sind), die ihre Stimme abgeben. In einer Demokratie ist eine hohe Wahlbeteiligung wünschenswert: Sie ist Zeichen dafür, dass das politische System von vielen Menschen getragen wird und dass die Regierung einen hohen Grad an Legitimität genießt.

In allen vom BLI erfassten Ländern herrscht zwar allgemeines Wahlrecht, allerdings machen nicht alle Bürger von diesem Recht Gebrauch. Bei den letzten Wahlen, für die Daten zur Verfügung stehen, lag die Wahlbeteiligung im OECD-Durchschnitt bei 68%; Wissenschaftliche Studien haben gezeigt, dass Personen mit höherem Bildungsniveau mit größerer Wahrscheinlichkeit wählen gehen als Personen mit niedrigerem Bildungsniveau und ältere Menschen mit größerer Wahrscheinlichkeit als jüngere. In den meisten OECD-Ländern ist der Unterschied bei der Wahlbeteiligung zwischen Männern und Frauen gering. In Deutschland und der Schweiz ist die Wahlbeteiligung der Männer allerdings um etwa 5 Prozentpunkte höher als die der Frauen. In Estland und im Vereinigten Königreich ist das Gegenteil der Fall: Hier liegt der Anteil der wählenden Frauen ungefähr 6 Prozentpunkte über jenem der Männer. In Russland beträgt der Unterschied nahezu 8 Prozentpunkte zu Gunsten der Frauen. Im Allgemeinen steigt die Wahlbeteiligung mit dem individuellen Einkommen, die geschätzte Differenz zwischen dem oberen und unteren Fünftel der Bevölkerung liegt im Durchschnitt bei 13 Prozentpunkten. In Korea beträgt sie sogar 29 Prozentpunkte und in Polen sowie Großbritannien 23 Prozentpunkte. In Chile hingegen gehen die unteren 20% der Bevölkerung eher zur Wahl als die oberen 20%. Der Abstand ist allerdings nur sehr gering, was darauf schließen lässt, dass alle gesellschaftlichen Schichten an den demokratischen Institutionen des Landes teilhaben.

Die Wahlbeteiligung ist derzeit das beste Instrument, um bürgerschaftliches und politisches Engagement zu messen: Sie liefert qualitativ hochwertige Daten und lässt sich länderübergreifend vergleichen. Optimal ist sie allerdings nicht, da sich die Wahlsysteme grundlegend unterscheiden. In mehreren Ländern besteht z.B. eine Wahlpflicht, die auch streng eingehalten wird.

Im Rahmen des Better Life Index misst die Wahlbeteiligung, wie zivilgesellschaftliches Engagement das Wohl der Menschen und der Gesellschaften beeinflusst: Eine hohe Beteiligung ist ein Zeichen dafür, dass das politische System von einem großen Teil der Bevölkerung getragen wird (die Gründe für diese Beteiligung sind dabei zweitrangig).

Obwohl die Zahl der Frauen, die in politische Ämter gewählt werden, im letzten Jahrzehnt leicht angestiegen ist, ist die Mehrheit der Mandatsträger noch immer männlich. Im OECD-Durchschnitt werden nur ungefähr 29% der Sitze in nationalen Parlamenten von Frauen belegt.

Beteiligung von Interessensgruppen am Gesetzgebungsprozess

Öffentliche Beteiligung an den Rechtsnormen fördert die Rechenschaftspflicht des Staates. Außerdem sorgt es für ein unternehmensfreundliches Umfeld und erhöht das Vertrauen in die staatlichen Institutionen. Tatsächlich enthalten die Rechtsnormen eines Landes viele Informationen darüber, wie dieses Land organisiert ist, welche Spielregeln dort gelten und wie die politischen Entscheidungen getroffen werden. Wenn sich Bürger am Gesetzgebungsprozess beteiligen können, ist die Wahrscheinlichkeit größer, dass sie sich an die geltenden Regeln einhalten.

Der Indikator Beteiligung am Gesetzgebungsprozess beschreibt, inwieweit ein Land sich beim Gesetzgebungsverfahren der Primärrechte und deren untergeordneten Regelungen auf Interessensgruppen einlässt. Der Indikator misst dabei Elemente wie Konsultationsmethoden, Offenheit, Transparenz und Feedbackmechanismen. Der Indikator ergibt sich aus dem einfachen Durchschnitt von zwei weiteren Indikatoren, welche das Primärrecht resp. die untergeordneten Regelungen abdecken.

For more information on estimates and years of reference, see FAQ section and BLI database.

Zivilengagement im Einzelnen nach Ländern